Der Trompeter von Schorokschar, Georg Geiger, erhielt den Kossuth-Preis
Um etwas Schönes, für die Ohren Angenehmes, warme Töne erklingen zu lassen
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20. März 2009
„Das Trompetenspiel ist zum Teil ein Sport, weil auch die Muskeln dabei eine Funktion haben, vor allem die Lippen und die Muskulatur des Mundes, der - und das kann sich jeder denken - nicht einer gewöhnlichen Belastung ausgesetzt ist, wenn das Mundstück, also ein Stück Kupfer (Messing), an die Lippen gepreßt wird, um dadurch etwas Schönes, für die Ohren Angenehmes, warme Töne erklingen zu lassen. Doch die Muskeln ermüden irgendwann einmal, und mit 64 ist es für mich eine überaus große Freude, so eine Auszeichnung zu bekommen", strahlt Georg Geiger, der anläßlich des Nationalfeiertages den Kossuth-Preis bekam. Diese Anerkennung gilt all den vielen Konzerten, bei denen Geiger als Solist und im Orchesterverbund das Publikum im In- und Ausland mit seinem wunderschönen Spiel erfreut hat.

Georg Geiger mit Eva Marosi beim 40jährigen Jubiläum der
Schorokscharer Tanzgruppe im Budapester Palast der Künste
Foto: NZ-Archiv

Der Trompetenvirtuose Georg Geiger, dessen Vater ein echter Schorokscharer war, seine Mutter aber aus Oberungarn stammte, spielte erstmal Akkordeon und kam dann ins Harmonikaensemble „Kék Duna" von Antal Farkas. Von Komponisten und Bearbeiter der Blasmusik lernte er auch später, als er sich der Trompete verschrieben hatte, sehr viel. Schorokschar „produzierte" nämlich seine Trompeter selber, da kam keiner von außen rein! Georg hatte flinke Finger, was sich beim Harmonikaspiel gleich herausstellte. Er profitierte vom guten Gehör, das er von seiner Mutter und wohl auch vom Vater (der Schuhmacher war) geerbt hatte. Ihm lag die musikalische Laufbahn am nächsten, doch mit dem Akkordeon konnte man damals nicht weiterkommen. Es mußte gewechselt werden, und weil in Schorokschar die Blasmusik aufgrund alter Traditionen beliebt war und gepflegt wurde und der Ort bekannte Blasmusiker wie Johann Galambos-Grosz, erster Trompeter des Rundfunkorchesters hatte, die gute Lehrer für ihn waren, saugte er die Blasmusik und darin die Trompetenkunst in sich, so daß er ins Konservatorium und danach in die Musikakademie aufgenommen wurde.
Gerne denkt der Musiker an seine Lehrer Rudolf Borst (Dirigent des ungarndeutschen Konzertblasorchesters) sowie an András Kóródy zurück, der ihm das Rundfunkorchester als „die Zukunft" empfahl. Das war 1968, als mehrere Schorokscharer Musiker wie János Galambos, János Schubert und Josef Polster mitwirkten (letzterer lebt heute in Deutschland). Nach einigen Opernwettbewerben wurde Georg Geiger als Trompeter im Radioorchester aufgenommen. Er gründete mit István Somorjai, László Szabó, Károly Egressy, János Kerekházi, Gusztáv Höna und Wilmos Szabó das Moderne Bläserensemble (es lieferte z. B. das Signal für „Unser Bildschirm"), das auch im Ausland zahlreiche Wettbewerbe gewann. Eine weichere Gattung für die harte Musik bedeutete dann die Harfe von Éva Maros, einer Kollegin vom Rundfunkorchester, mit der Geiger seit Jahrzehnten wunderschöne Konzerte gibt.
Ein Künstler braucht ein stabiles Hinterland, damit er sich für die Konzerte vorbereiten kann. Dafür sorgte Gattin Rosalia Riesz (sie stammt aus Tschawal), die sich zwar für Musik interessiert, jedoch Bauingenieurin ist und an der kleinen Donau von Schorokschar ein Einfamilienhaus erträumte und verwirklichte, wo ihr Mann ohne die Nachbarn zu stören, üben kann. Ihre zwei Kinder, Diana und Márk, haben zwar auch eine Bindung zur Musik, wählten jedoch einen anderen Beruf: die Tochter wurde Innenarchitektin und der Sohn Elektroingenieur.
Der Trompetenvirtuose Georg Geiger, Träger des Franz-Liszt-Preises, ist bereits in Rente. Er gibt aber Konzerte u. a. in der Basilika und unterrichtet an der Musikakademie. Das Fotografieren ist sein Hobby. Daß er etwas davon versteht, bezeugen Ausstellungen in Schorokschar oder in der deutschen Partnerstadt Nürtingen. Unter den Studenten, und das ist für Georg Geiger besonders erfreulich, gibt es viele, die nicht nur verstehen, sondern auch erspüren, was ein Musiker ihnen sagen möchte.
Ein herzlicher Glückwunsch gilt dem mit dem Kossuth-Preis geehrten Künstler. Und noch eine Empfehlung: lesen Sie seine Publikation „Elfogult írások és képek borról, trombitáról, Soroksárról" (Voreingenommene Berichte und Bilder über Wein, Trompete, Schorokschar, herausgegeben von Galéria 13).

Á. H.


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