Studentenweihnacht im Haus der Ungarndeutschen
Eine schöne Tradition läßt sich da herauskristallisieren
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12. Dezember 2008
„Weihnachten steht vor der Tür" besang und verewigte diese und andere Weihnachtsweisen u. a. das Metschl-Duo in Roth ob der Tauber auf vielen CD-s, und in diesen Liedern sind die Vorweihnachtszeit sowie dann die Geburt des kleinen Jesulein, die Vorbereitung aufs große Fest und dann das Begehen dieses in Kirche und Familie mit enthalten. Einst ging es nicht ums Jagen nach wertvollen Geschenken für groß und klein, um jedem etwas Gegenständliches zu geben, vielmehr war die Rede vom Beisammensein, einem guten Plausch bei feinem Gebäck, von den Frauen zubereitet. Von den Männern wurden die Getränke für die Familie, die Verwandten und Nachbarn vorbereitet.

Ja, Mitte Dezember hat die Vorbereitung für Weihnachten einen besonders großen Schwung genommen, inbegriffen auch des Geistigen: Christkindlspiele, Krippenspiele, Geschichten vom Heiland wurden hervorgesucht, eingeübt, die von Kindern und Jugendlichen vorgetragen wurden und neuerdings auch wieder werden. Dazu wurde mit Hilfe der Mutter und Großmütter die entsprechende Kleidung genäht - und als dann endlich der heißersehnte und so sehr erwartete Nachmittag und Abend gekommen war, beschworen Kindergruppen - weiß gekleidet (Maria, Josef, Anna, die Engel) die Heilige Geschichte herauf.
Eine weihnachtliche Tradition möchte man auch im Budapester Haus der Ungarndeutschen prägen und zwar unter Mitwirkung von jungen Leuten. Letztes Jahr gab es das Weihnachtssingen, heuer rückten die Germanistikstudenten mit Weihnachtsbräuchen hervor, eingebunden in ein Programm: Das von Michael Lack gesammelte Christkindlspiel von Jene/Budajenô wurde von Edina Reiszner besungen. Der Kreis der Weihnachtsbräuche erstreckt sich von der Adventszeit bis zum Fest der Heiligen Drei Könige. Darüber konnte das leider spärliche Publikum vom sehr engagierten Schorokscharer Germanistikstudenten Viktor Pócsik einen ausführlichen Vortrag hören, der nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, sondern auch Organisator und Mitgestalter solcher und ähnlicher Veranstaltungen ist. Von ihm konnten wir erfahren, daß das Christkindlspiel jahrhundertealte Traditionen hat mit Unterschieden in den verschiedenen Ländern bzw. Regionen: mal haben die Darsteller ein Stubenspiel, mal ein Schauspiel vorgetragen, diese gingen nicht nur dem Heiligen Abend voraus, sondern zogen sich über den Neujahrstag bis zum Fest der Heiligen Drei Könige hin und gingen oft in weltliche Spiele über. Am meisten aufrechterhalten haben sich die Krippenspiele, die am 24. Dezember von Kindern und Jugendlichen, von Haus zu Haus gehend, für ein kleines Geschenk vortragen wurden. Dieser Brauch wird heute in vielen ungarndeutschen Dörfern neubelebt. Ähnliche Bräuche aus den Dörfern ließ u. a. auch die Leiterin des früheren deutschen Nationalitätenklassenzuges des Kossuth-Gymnasiums in Budapest Theresia Lunczer sammeln und diese dann vortragen.
Zum Abschluß wurden die Gäste von den StudentInnen Magdolna Sáritz, Viktória Gárdonyi, Réka Miskei, Gisella Janauschek und Gábor Kecskeméti mit feinen Gebäcken und Glühwein verwöhnt. Um gute Lebkuchen und vieles andere mehr auf den Tisch zu stellen, dabei haben freilich auch die Großmütter mitgeholfen. Es war ein schöner Vorweihnachtsabend.
Á. H.