Bei der Feierlichkeit zum 30. Jahrestag der Einführung der Minderheitenprogramme im öffentlich-rechtlichen Ungarischen Fernsehen (NZ 42/2008) wurde die Arbeit der langjährigen Redakteurin bei „Unser Bildschirm" Marta Stangl (Foto) mit dem Niveaupreis anerkannt. NZ sprach mit ihr nach der Preisverleihung.
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NZ: Frau Stangl, wie haben Sie von Ihrer Auszeichnung erfahren?
MS: Ich war echt überrascht, weil ich nichts davon wußte. Doch wenn man eine solche Anerkennung erhält, dann freut man sich sehr und man denkt gleich an die vielen-vielen Jahre, denn von den 30 Jahren habe ich 28 bei Unser Bildschirm verbracht. Zweitens denkt man aber auch, daß damit auch die geleistete fachliche Arbeit anerkannt wird.
NZ: Ist das auch wie ein Film, daß man Bilder aus den verschiedenen Jahren sieht?
MS: Ja sicher, wenn man als Journalist beim Fernsehen arbeitet, dann zieht man Vergleiche. Man denkt an den Anfang zurück, der schwer war und zugleich ein absoluter Lernprozeß, für mich wie für alle, die beim Fernsehen angefangen haben. Aber vielleicht auch für die Zuschauer. Später, wenn man meint, etwas zu können, dann kommen die Wünsche, dann wird man neugierig, dann kommen die Themen. Auch dies war eine sehr-sehr schöne Periode. Dann denkt man aber auch nach, wenn man so viele Jahre an einem Platz verbringt, wie man sich erneuern könnte. Dazu bräuchte man aber auch gewisse Voraussetzungen, und das ist nicht immer einfach.
NZ: Wie wird man von den ungarischen Kollegen akzeptiert?
MS: Das ist immer schwer. Minderheitensendungen zu machen ist eine innere Kommunikation. Man ist mit den eigenen Leuten. Ob die ungarischen Kollegen uns als solche erkennen, das weiß ich nicht, aber ich denke, sie haben auch ein bißchen Angst davor, in unsere Arbeit hineinzuschauen. Weil sie das Umfeld nicht kennen, weil sie die Sprache nicht sprechen. Ich glaube aber, daß Minderheitensendungen mit dieser Thematik, mit diesen Spezifika zu machen, doch eine gewisse Freiheit gibt. Das ist ein großer Wert. Ich sage immer: Das ist eine Schatzkammer! Wenn man sich überlegt, wie viele interessante Themen, Personen und Gemeinschaften es gab, dann könnte man doch zu Recht annehmen, daß man etwas hinterläßt, etwas dokumentiert hat. Das halte ich für sehr wichtig und das halte ich auch heute für eine unserer Aufgaben.
NZ: Sie haben vorhin von einer Schatzkammer gesprochen. Bildet sich diese auch in der eigenen Seele? Ist Minderheiten-Journalistin zu sein ein Zustand oder ein Prozeß?
MS: Beides. Wenn man mich fragt, ob ich zum Beispiel Dörfer in mir habe, dann kann ich nur sagen, ja, viele, wie Polan, Taks oder Großnarad, um nur einige zu nennen, weil man da von den Leuten von der Arbeit her bekommen hat, was mich sehr neugierig, sehr interessiert, sehr menschlich gemacht hat. Das sind Werte, die man nicht in Geld oder in Auszeichnungen ausdrücken kann.
MS: Sie sagten auch, am Anfang war es schwer. Ist es jetzt leicht?
MS: Es ist vielleicht noch schwerer. Denn wir sind in einer Phase, in der wir noch vieles zu retten hätten. Dafür fehlen aber die Voraussetzungen. Man könnte jetzt sagen, daß man eh immer klagt, aber das ist nicht so. Wir sind immer mehr Ereignis-Journalisten geworden, was natürlich sehr-sehr wichtig ist, und man sollte immer aktueller sein. Aber die Arbeit der Dokumentation hätten wir auch und beides müßten parallel verlaufen.
NZ: Frau Stangl, vielen Dank für das Gespräch!
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