Meilenstein in der ungarndeutschen Dialektforschung
Erster Band des Großprojektes Ungarndeutscher Sprachatlas fertig
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3. Oktober 2008
Der Festtag am Germanistischen Institut der ELTE fing schon am Vormittag mit dem Vortrag von Prof. Dr. Dieter Stellmacher (Georg-August-Universität Göttingen) über den Gang der deutschen Dialektologie an. Als Grundwerk wurde Viktor Schirmunskis Mundartkundebuch des Deutschen genannt, welches 1956 in Moskau und 1962 in Berlin in der Übersetzung von Wolfgang Fleischer erschien. Durch dieses Werk wurden die Einteilung des geschlossenen deutschen Sprachraumes, Methoden und Vorgehensweisen der Mundartforschung im historischen Kontext gezeigt. Viktor Schirmunski hatte auch einen Bezug zum Festtag, er war nämlich der Doktorvater von Claus Jürgen Hutterer, dessen Name am 25. September öfters genannt wurde.

Ein gewichtiges Werk

Zum Festakt begrüßte Prof. Dr. Elisabeth Knipf, Leiterin des Germanistischen Instituts der ELTE, alle Kollegen und zahlreiche prominente Gäste. Mit der Präsentation des ersten Band des Sprachatlasses ist ein jahrzehntelanges Projekt in die Endphase gelangt. Dr. Knipf betonte, daß das Erscheinen des Ungarndeutschen Sprachatlasses nicht nur für die Fachwelt, sondern auch für die deutsche Minderheit selbst ein großes Ereignis sei. Damit wäre ein Meilenstein in der Dialektforschung gelegt. Der Band, der die Dialekte in Südungarn behandelt, ist Claus Jürgen Hutterer gewidmet. Dazu hat auch Prof. Dr. Katharina Wild vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft in Fünfkirchen viel geleistet. Prof. Dr. Karl Manherz betonte bei der Präsentation, daß es besonders wichtig sei, Südungarn im ersten Band zu haben, da von diesem Gebiet eine umfassende Studie fehlen würde, dies sei bei den beiden anderen Sprachgebieten nicht der Fall. In heimischer Umgebung erfolgte die Datenerfassung, diese wurde elektronisch aufgearbeitet. Für die Endbearbeitung zeichnen Maria Erb, Koloman Brenner und Karl Manherz vom Germanistischen Institut der ELTE. Auch die Liste der finanziell unterstützenden Institutionen war lang, da so ein Großprojekt „außer viel Arbeit auch noch viel Geld benötigt", so Manherz, der über den Aufbau und die Struktur des Atlasses, über Arbeitsmethoden, Möglichkeiten und über das Endergebnis sprach. Als geistiger Vater des Sprachatlasses gilt Claus Jürgen Hutterer, er hat auch die Kartendarstellung der drei Sprachgebiete entwickelt. Die einleitende Studie stammt ebenfalls von Hutterer, aus dem Jahre 1990. Das Fragebuch mit 600 Wörtern wurde ungarisch erfragt und bezieht sich auf den bäuerlich-ländlichen Wortschatz. Die Transkription, erfuhr man, ist eine phonetisch-phonologische und so keine volkskundliche Transkription. Die Kartierungsmethode ist das erste Mal in der Atlasdarstellung verwendet worden. Acht Farben zeigen die Verwendungsformen der Wörter. Der Sprachatlas wäre für mehrere Wissenschaftszweige und Bereiche der Linguistik von Wichtigkeit, auch der kulturhistorische Wert dieser Arbeit sei hervorzuheben. „Der Band ist ein Dankeschön an Professor Hutterer", schloß Manherz.
Prof. Dr. Heinrich Dingeldein von der Universität Marburg meinte, daß der Ungarndeutsche Sprachatlas eine Grundlage für neue Forschungen und als Zwischenergebnis anzusehen sei. Dingeldein arbeitet an einem Hessischen Dialektwörterbuch und am Hessischen Sprachatlas. Die Zusammenarbeit sei auch ein Basteln an einer gemeinsamen Zukunft.
Prof. Dr. Dieter Stellmacher gratulierte zum Band, er bezeichnete den Festakt als einen großen Tag für die ungarische und ungarndeutsche Germanistik und sprach seine aufrechte Anerkennung aus. Seit 1982 schreiben er und seine Kollegen in Göttingen das niedersächsische Wörterbuch (es fehlen noch zwei Bände von den zehn). Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, wies auf das Einsetzen des Ungarndeutschen Sprachatlasses im Unterricht und auf seine schulische Verwendung hin. Da der Dialekt schwindet, wäre das Werk eine wichtige Dokumentation, welche unsere Sprache für die Zukunft bewahrt.
Nach den Festreden konnten Interessierte bei kulinarischen Köstlichkeiten der Branau (Stifolder, Strudel und Willander Wein) den Ungarndeutschen Sprachatlas in die Hand nehmen, ein gewichtiges Werk, das auch für die deutsche Minderheit einen Meilenstein bedeuten kann.

Angela Korb