Der Festtag am Germanistischen Institut der ELTE fing schon am Vormittag mit dem Vortrag von Prof. Dr. Dieter Stellmacher (Georg-August-Universität Göttingen) über den Gang der deutschen Dialektologie an. Als Grundwerk wurde Viktor Schirmunskis Mundartkundebuch des Deutschen genannt, welches 1956 in Moskau und 1962 in Berlin in der Übersetzung von Wolfgang Fleischer erschien. Durch dieses Werk wurden die Einteilung des geschlossenen deutschen Sprachraumes, Methoden und Vorgehensweisen der Mundartforschung im historischen Kontext gezeigt. Viktor Schirmunski hatte auch einen Bezug zum Festtag, er war nämlich der Doktorvater von Claus Jürgen Hutterer, dessen Name am 25. September öfters genannt wurde.
Ein gewichtiges Werk
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Zum Festakt begrüßte Prof. Dr. Elisabeth Knipf, Leiterin des
Germanistischen Instituts der ELTE, alle Kollegen und zahlreiche
prominente Gäste. Mit der Präsentation des ersten Band des
Sprachatlasses ist ein jahrzehntelanges Projekt in die Endphase
gelangt. Dr. Knipf betonte, daß das Erscheinen des Ungarndeutschen
Sprachatlasses nicht nur für die Fachwelt, sondern auch für die
deutsche Minderheit selbst ein großes Ereignis sei. Damit wäre ein
Meilenstein in der Dialektforschung gelegt. Der Band, der die Dialekte
in Südungarn behandelt, ist Claus Jürgen Hutterer gewidmet. Dazu hat
auch Prof. Dr. Katharina Wild vom Lehrstuhl für Germanistische
Sprachwissenschaft in Fünfkirchen viel geleistet. Prof. Dr. Karl
Manherz betonte bei der Präsentation, daß es besonders wichtig sei,
Südungarn im ersten Band zu haben, da von diesem Gebiet eine umfassende
Studie fehlen würde, dies sei bei den beiden anderen Sprachgebieten
nicht der Fall. In heimischer Umgebung erfolgte die Datenerfassung,
diese wurde elektronisch aufgearbeitet. Für die Endbearbeitung zeichnen
Maria Erb, Koloman Brenner und Karl Manherz vom Germanistischen
Institut der ELTE. Auch die Liste der finanziell unterstützenden
Institutionen war lang, da so ein Großprojekt „außer viel Arbeit auch
noch viel Geld benötigt", so Manherz, der über den Aufbau und die
Struktur des Atlasses, über Arbeitsmethoden, Möglichkeiten und über das
Endergebnis sprach. Als geistiger Vater des Sprachatlasses gilt Claus
Jürgen Hutterer, er hat auch die Kartendarstellung der drei
Sprachgebiete entwickelt. Die einleitende Studie stammt ebenfalls von
Hutterer, aus dem Jahre 1990. Das Fragebuch mit 600 Wörtern wurde
ungarisch erfragt und bezieht sich auf den bäuerlich-ländlichen
Wortschatz. Die Transkription, erfuhr man, ist eine
phonetisch-phonologische und so keine volkskundliche Transkription. Die
Kartierungsmethode ist das erste Mal in der Atlasdarstellung verwendet
worden. Acht Farben zeigen die Verwendungsformen der Wörter. Der
Sprachatlas wäre für mehrere Wissenschaftszweige und Bereiche der
Linguistik von Wichtigkeit, auch der kulturhistorische Wert dieser
Arbeit sei hervorzuheben. „Der Band ist ein Dankeschön an Professor
Hutterer", schloß Manherz. Prof. Dr. Heinrich Dingeldein von der Universität Marburg meinte, daß der Ungarndeutsche Sprachatlas eine Grundlage für neue Forschungen und als Zwischenergebnis anzusehen sei. Dingeldein arbeitet an einem Hessischen Dialektwörterbuch und am Hessischen Sprachatlas. Die Zusammenarbeit sei auch ein Basteln an einer gemeinsamen Zukunft. Prof. Dr. Dieter Stellmacher gratulierte zum Band, er bezeichnete den Festakt als einen großen Tag für die ungarische und ungarndeutsche Germanistik und sprach seine aufrechte Anerkennung aus. Seit 1982 schreiben er und seine Kollegen in Göttingen das niedersächsische Wörterbuch (es fehlen noch zwei Bände von den zehn). Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, wies auf das Einsetzen des Ungarndeutschen Sprachatlasses im Unterricht und auf seine schulische Verwendung hin. Da der Dialekt schwindet, wäre das Werk eine wichtige Dokumentation, welche unsere Sprache für die Zukunft bewahrt. Nach den Festreden konnten Interessierte bei kulinarischen Köstlichkeiten der Branau (Stifolder, Strudel und Willander Wein) den Ungarndeutschen Sprachatlas in die Hand nehmen, ein gewichtiges Werk, das auch für die deutsche Minderheit einen Meilenstein bedeuten kann.
Angela Korb
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