Krämer Buben spielten zauberhaft wie einst Drucken
22. August 2008

Sie erschienen einst wie ein Komet am Himmel der ungarndeutschen Musik, glühten zehn Jahre lang mit vollem Licht und verglühten dann urplötzlich wieder. Die Rede ist von den Krämer Buben, die ab 1978 mit völlig neuen Klängen das in- und ausländische Publikum verzauberten. Die sechs Jungs von damals trafen sich nach zwanzig Jahren zu einem einmaligen Konzert am 17. August in Lippwar wieder.



Gegründet wurde die Band von Johann Kádár (Krämer), nachdem er als Musiker eines österreichischen Zirkus viele Länder bereist und sich in die Oberkrainer Musik verliebt hatte. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn gründete er seine eigene Formation, die sich anfangs Karawanka Kapelle nannte. Mit fünf anderen Musikern aus der Umgebung schuf er nicht nur etwas bisher in Ungarn nicht Dagewesenes, sondern es entstand auch sofort eine Diskussion darüber, ob man diese neue Art der Musik denn brauche.

Doch er, so Johann Krämer im Gespräch mit der Neuen Zeitung, habe sich damals so sehr in diese Musik verliebt, daß er sich sicher gewesen sei, daß sie den Menschen gefallen werde. Trotz mancher Zugeständnisse habe sich seine Voraussage bewahrheitet, bald wurden die sechs Männer zu hauptberuflichen Wochenendmusikern. Es folgten erste Einladungen aus dem Ausland, insgesamt wurden es 91, und etwa 500 Mal spielten sie in Ungarn. Der Name „Karawanka”, der zu sehr an Slowenien erinnerte, wurde in „Krämer Buben” umgewandelt. Die Höhenflug nahm ein jähes Ende, als Johann Kádár 1988 nach Deutschland ging. Unter den Liebhabern ungarndeutscher volkstümlichen Musik hat der Name „Krämer Buben” einen bis heute unerreicht glanzvollen Namen.

Ein gemeinsames Konzert scheiterte in den vergangenen Jahren immer wieder daran, daß Johann Kádár keine Lust dazu hatte. Erst als er voriges Jahr 60 wurde, änderte er seine Meinung, erfuhr NZ von Gründungsmitglied Josef Szugfil, dessen neue Karawanka Kapelle das Konzert organisierte. Eine Entscheidung, die sich voll mit den Wünschen des Publikums deckte.

Nach den Vorgruppen traten in Lippwar die Krämer Buben vor etwa 600 Besuchern auf. Es war so voll, daß man im Festzelt keinen Sitzplatz mehr finden konnte. Durch das Konzert führte Lorenz Kerner, vormals Chefredakteur der deutschen Sendung in Fünfkirchen und in dieser Eigenschaft auch Förderer der Krämer Buben. Danach folgte ein Konzert, wie es selten in Ungarn zu erleben ist. Selbst nach 20 Jahren Pause fiel es nicht schwer zu begreifen, warum man die Krämer Buben einst weit und breit so gern hatte, nämlich wegen ihrer einmaligen und zauberhaften Musik. Das Wiedersehenskonzert klang mit einem gemeinsamen Musizieren der alten und neuen Karawanka Kapelle aus. Dazu gab es eine Torte vom Bürgermeister von Lippó und ein Präsent, das Zoltán Schmidt, Vizevorsitzender des Komitatsverbandes Deutscher Selbstverwaltungen überreichte.

ani