Die Familie Karl aus Harast - Wohnort im Komitat Pesth - Unternehmen in der Branau Drucken
15. August 2008

Seit den 80er Jahren beschäftigt sich die Familie Maria und Josef Karl aus Harast in Hegyszentmárton, in der Region Siklosch, mit Weinbau im großen. Und das, obwohl es immerhin zweihundert Kilometer vom Rande der Hauptstadt bis hin zur Branau sind, kein Katzensprung! Doch dort reift ein edler Tropfen, der sich hierzulande auch leicht verwerten läßt.



Die ersten deutschen Einwohner der jetzigen Kleinstadt Harast an der kleinen Donau südlich von Schorokschar, die nach der Türkenherrschaft aus der Gegend von Augsburg nach Ungarn auswanderten, ließen eine Kirche errichten, deren Schutzpatron St. Nepomuk war, genauso wie nach dem Zerfall dieser auch die neue Kirche diesen Namen bekam. Über die heutige Kirche, die 1905 gebaut wurde, hält der Heilige Stephan schützend seine Hände. Der Heiligen gedenkt man am 18. Mai auf der Schorokscharer Donau mit schwimmenden Kerzen und die Statue von St. Nepomuk wird in einem Boot herumgefahren.

All dies erfuhr ich gleich zu Beginn unseres Gesprächs von dem Ehepaar Maria und Josef Karl in Harast, mit dem ich mich eigentlich über ihre Rebenzucht unterhalten wollte. Bald wurde mir auch klar, daß die Karls - sie haben eine Tochter, einen Sohn und drei Enkel - sehr bodenständig sind und auf ihren sprachlichen und kulturellen Traditionen beharren.

Die Unternehmung des Landwirtschaftstechnikers Josef Karl und seiner Frau Maria begann nach seinem Motorradunfall 1978 mit der Hühnerzucht. Dazu hatte man die Räumlichkeiten des großen Hauses, wo einst die Eltern als Bauern wirtschafteten. Damit schuf man eine Basis, um auf dem Weg des Weinanbaus weiterzugehen. Rebenzucht war vormals auch für Harast charakteristisch, doch die einstigen Weingärten sind verschwunden, an ihrer Stelle stehen viele neue Häuser, man befindet sich ja in der Nähe der Hauptstadt. Ja, und dann suchten sich die Karls ein Weingebiet in der Branau, in Hegyszentmárton, das zu der Region Willand-Siklosch gehört und wo ein edler Tropfen wächst. Deswegen entschied sich die Familie für dieses Gebiet, denn die Qualität des Weines war erstrangiger Gesichtspunkt.

Der Weinbau in Hegyszentmárton begann für die Familie Karl zunächst auf einem halben Hektar - heute sind es schon sieben Hektar, auf dem Weißweine (Zengô, Zenit und Chardonnay) sowie in größerer Menge Rotweine (Blaufränkischer, Merlot und Cabernet-Sauvignon) in höchster Qualität produziert werden. Anfangs stand vor Ort nur ein Holzhäuschen zur Verfügung, man bearbeitete den Weingarten mit wenigen Maschinen und hauptsächlich manuell. Heute ist es eine mit Maschinen (Traktor, Hack- und Spritzgeräten) ausgestattete Kelterei, deren Produkte (der Abfüllbetrieb für die 320 Hektoliter Wein ist in Harast) vorwiegend in der Umgebung der Hauptstadt verkauft werden, für den Export ist es allerdings zu wenig.

Die ganze Familie (Karl und Leeb) ist so oder so in dieses Unternehmen eingebunden, denn es bedarf eines großen Familienzusammenschlusses: die Tochter ist beim Verkauf behilflich, der Sohn ist Maschineningenieur (er hat eine Schlosserei, die vor allem nach Deutschland arbeitet) und ihre Kinder Tamás und Dávid helfen gelegentlich auch mit.

Der Benjamin in der Familie ist János Kreisz mit seinen elf Jahren, der in der Familienwirtschaft auch mithilft und die Tradition bereits in diesem Lebensalter weiterführt: Er fährt mit dem Traktor, spritzt den Weingarten, beschäftigt sich mit Hühnern und Enten - Mathe ist übrigens sein Lieblingsfach - und fährt mit seinem Mountainbike über Stock und Stein.

Die Karls haben durch ihre fleißige Arbeit nicht nur ein prosperierendes Familienunternehmen aufgebaut, sondern bestehen auch auf ihrer deutschen Herkunft und Muttersprache, sind im öffentlichen Leben aktiv dabei und pflegen seit über 20 Jahren beste Kontakte zu ihren deutschen Freunden in Aumühle bei Hamburg. Doch das beruht ja auf Gegenseitigkeit, denn sie werden dort immer herzlich empfangen, genau wie die Freunde auch bei ihnen immer gut aufgehoben waren und sind und gleich auch die Ungarndeutschen kennenlernten.

Árpád Hergenröder