„Mit dem Széchenyi-Preis wird u. a. die wissenschaftliche Tätigkeit und darüber hinaus die Schulschaffung im Universitätsbereich anerkannt." So beginnt unser Gespräch Franz Schipp, der Széchenyi-Preisträger, der diesen Preis am 15. März erhalten hat. Der Mathematik- und Informatikprofessor, dessen Weg von Schomberg über das Gymnasium in Mohatsch nach Budapest an die Universität führte, unterrichtet mit 69 heute noch.
Franz Schipp mit dem Széchenyi-Preis
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In diesen Spalten können leider bei weitem nicht alle Details des Werdegangs vom Maturanden des Kisfaludy-Gymnasiums bis zum Universitätsprofessor an der ELTE angeführt werden, die ja in der Laudatio bei der Preisverleihung verlauteten. Es gab viele Zwischenstationen, die alle von Wichtigkeit waren - vom Assistenten bis hin zum Lehrstuhlleiter und Professor. Und jetzt doch etwas chronologisch: „Schon mein Vater, der in der örtlichen LPG arbeitete, war ein guter Kopfrechner und kannte sich in der Buchhaltung bestens aus". Des Sohnes mathematische Karriere nahm nach der Mittelschule ihre Fortsetzung (doch seine guten Leistungen waren schon zuvor in Fachzeitschriften veröffentlicht worden). Der junge Schipp, der auch die Diskriminierung 1956 miterlebte, besuchte zwischen 1957 und 62 die Fakultät für Mathematik und Physik an der ELTE und unterrichtete an deren neuem Lehrstuhl für Analyse II als Kandidat der Wissenschaften. 1970 wurde er Dozent und nach dem Erwerb des großen Doktorats war er der jüngste Professor an der Uni. Ab Mitte der 70er Jahre beschäftigte er sich mit der numerischen und Maschinenarithmetik sowie mit Computertechnik, und bald darauf wurde auch der einschlägige Lehrstuhl ins Leben gerufen. Diesem folgte der Lehrstuhl für numerische Analyse, dessen Leiter Herr Schipp wurde; die Führung des Mathematik-Lehrstuhls an der Uni von Fünfkirchen wurde ihm ebenfalls übertragen, er hatte ihn zehn Jahre inne. Zwischendurch publizierte er in der Zeitschrift Dialog u. a. auch darüber, was denn numerische Analyse hieße: Rechenverfahren, wie man die Mathematik im Alltagsleben anwenden könne. Darüber ließ er eine Studie von 600 Seiten erscheinen. Franz Schipp verbrachte zweimal je ein Semester in den USA. Viele seiner Studenten absolvierten in Venezuela, Ägypten, im Irak oder im Jemen ein Teilstudium. Beste Kontakte bestehen auch mit Unis in Indien. Am Lehrstuhl für Informatik - die Zahl der Hörer beläuft sich auf 400 bis 500 - sind von den ehemaligen Studenten 15 als Dozenten tätig. Einer seiner ehemaligen Studenten, Franz Weisz, der am Lehrstuhl unterrichtet, kommt aus dem kleinen Dorf Sier/Szür. Was die praktische Anwendung der Mathematik anbelangt, besteht eine Zusammenarbeit mit der Semmelweis-Universität, um in der Medizin (Augenheilkunde) ein Gerät für Cornea-Operationen herzustellen. Professor Franz Schipp ist zwar heute nicht mehr Leiter des von ihm aufgebauten Lehrstuhls, unterrichtet aber an der Uni am Donauufer in Budapest und versucht, sein großes Wissen und seine vielen Erfahrungen an seine Studenten weiterzugeben. Der Széchenyi-Preisträger hat nie vergessen, woher er kommt, und dorthin, nach Schomberg, zieht es ihn, den Vater zweier Kinder und Großvater von fünf Enkeln, immer wieder, denn dort sind ja auch Mutter und Bruder. Von dort als Erbschaft brachte er die deutsche Mentalität, das positive Verhältnis zur Arbeit und die Sprachkenntnisse mit, die allesamt den Professor Schipp mitprägten.
Árpád Hergenröder
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