"Die Musik ist nicht nur einfach ein Beruf für mich"
  Interview mit dem Tubisten Anton Fenyvesi
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18. Juli 2008
Anton Fenyvesi wurde 1979 in einer deutschen Familie in Wetschesch/Vecsés geboren. Der Familienname Frühwirth wurde nach dem Zweiten Weltkrieg magyarisiert. Anton machte seinen Universitätsabschluß an der Musikakademie in Wien. Sein ganzes Leben ist von der Musik erfüllt, denn er unterrichtet an der Musikschule seiner Heimatstadt, spielt in verschiedenen Blaskapellen und ist Mitglied des österreichischen Quintetts Brassissimo Vienna.

Anton Fenyvesi mit Monika Ambach beim
diesjährigen Nationalitätenfilmfestival

NZ: Was bedeutet Musik für Sie?

A. F.: Die Musik füllt mein ganzes Leben. Sie ist so vielfältig, hat so viele Richtungen: von den zeitgenössischen und klassischen Richtungen bis über Jazz und Volksmusik so unendlich viele. Das Geniale an der Musik ist, daß sie eine Sprache ist, die von der ganzen Welt verstanden wird. Wenn ich arbeite, dann bin ich Musiker, hobbymäßig spiele ich auch, und nicht nur auf Baßtuba, sondern auch auf Baßgitarre.

NZ: War die Tuba Ihr Wunschinstrument?

A. F.: Ich wollte eigentlich Trompeter werden, aber beim Vorspielen im Konservatorium in Budapest kam ein Lehrer auf mich zu und sagte: "Du, Anton, deine Lippen sind ein bißchen zu dick für eine Trompete, und es wäre vielleicht besser, ein größeres Instrument oder ein größeres Mundstück auszuprobieren." Er fragte mich, ob ich nicht lieber die Tuba wählen würde. Dieses Rieseninstrument mit den vielen Ventilen hat mich fasziniert - und ich habe ja gesagt! Aber das Instrument ist nur ein Werkzeug. Die Musik liegt nicht im Instrument, sondern irgendwo im Inneren des Menschen. Also sie kommt von innen, und das Instrument ist nur ein Trichter, damit du der ganzen Welt dein Inneres ausbreiten kannst...

NZ: Nach dem Konservatorium haben Sie im Ausland studiert. Wieso haben Sie sich für Wien entschieden?

A. F.: Ein Universitätsstudium wollte ich auf alle Fälle machen. Die Möglichkeiten waren relativ beschränkt. Es gibt zwar die Universität in Budapest, in Fünfkirchen und in Debrezin, aber dann dachte ich, wenn ich in Wien studieren würde, dann könnte ich auch Deutsch lernen und etwas Neues, etwas Interessantes erleben. 2007 habe ich meinen Abschluß als Tubist erhalten. Jetzt bin ich schon seit elf Jahren in Wien, und es ist schon wie ein zweites Zuhause für mich.

NZ: In Wien lernten Sie auch Ihre jetzigen Musikerkollegen kennen...

A. F.: Ja, seit sechs Jahren spiele ich im Ensemble Brassissimo Vienna. Das ist ein Brass-Quintett mit zwei Trompetern, einem Posaunisten, einem Hornspieler und einem Tubisten, der bin ich. Unser Repertoire beinhaltet klassische Musik, Kirchenmusik, aber auch zeitgenössische Werke oder eben Filmmusik. Wir haben schon viele CD-s gemacht. Das Quintett spielt weltweit: In Japan, in Amerika, in China und in Europa sind wir schon in kleinen Konzerthäusern, aber auch vor größerem Publikum aufgetreten, bzw. haben bei TV-Aufnahmen mitgewirkt.

NZ: Eine von den TV-Aufnahmen ist Ihr Auftritt bei "Wetten, dass...?", der größten deutschsprachigen Fernsehshow in Europa, die schon seit 27 Jahren im ZDF auf Sendung ist. (An der Show kann man mit einem besonderen Talent teilnehmen. Die Spieler wetten, daß sie ihr Können vor dem Publikum in einer Live-Sendung präsentieren können. Es kämpfen Personen oder Gruppen gegeneinander. Am Ende entscheiden die TV-Zuschauer, wessen Wette ihnen am besten gefallen hat. Der Gewinner erhält ein Preisgeld.) Wie haben Sie es in die Sendung geschafft?

A. F.: Es war ein alter Traum von meinem Brassissimo-Kollegen Andreas Kretz. Als kleines Kind war er schon Fan von dieser Sendung. Er wollte mit irgendeiner Sache einmal dabei sein. Wir haben ein ganz besonderes Stück, die "Erinnerungen an Zirkus Renz" im Repertoire, das ich immer spiele. Das Original ist für Xylophon geschrieben. Er hat immer gesagt, ich spielte das Stück so gut und schnell, daß er einmal einen Brief an Thomas Gottschalk, den Moderator der Sendung, schreiben würde. Ich habe das nicht weiter ernst genommen, doch auf einmal kam er und meinte: "Du Anton, die haben zurückgeschrieben! Wir sind in der Sendung!" Ich hatte in der Sendung am 9. Dezember 2006 in Bremen meinen Auftritt. Die Redaktion entschied, daß ich alleine gegen einen professionellen Xylophonspieler antrete. Ich habe das Solo schneller hingekriegt und somit die Wette gewonnen.

NZ: Ja und auch die Zuschauer haben am Ende für Sie gestimmt, und somit wurden Sie Wettkönig der Sendung. Diesen faszinierenden Auftritt konnte man auch in der MTV-Sendung „Unser Bildschirm" in dem über Sie gedrehten Porträtfilm sehen. Der Film lief auch beim diesjährigen Nationalitätenfilmfestival. Wie war es, sich auf der Leinwand wiederzusehen?

A. F.: Es hat mir sehr gut gefallen. Daß dieser Film in die Endauswahl kam, war natürlich in erster Linie das Verdienst des Fernsehteams, aber ich bin sehr dankbar, daß ich dabei mitwirken konnte. Auch in Wetschesch haben sehr viele den Film gesehen und einige Leute haben mich darauf auch sehr nett angesprochen.

NZ: Sind Sie auch in Ungarn als Musiker tätig?

A. F.: Natürlich. Ich pendele zwischen Wien und Wetschesch. Ich spiele in der Kapelle des Wetschescher Musikvereins. Wir nehmen oft an Wettbewerben teil - und das mit Erfolg! Ich bin außerdem Mitglied in der Kleinkapelle Brunner Buam. Unser Hauptprofil ist die traditionelle schwäbische Musik. Wir begleiten auch Tanzgruppen, spielen auf Hochzeiten, in Bierzelten und auf offiziellen Veranstaltungen.

NZ: Warum haben Sie sich entschieden, in der Wetschescher Musikschule zu unterrichten?

A. F.: Ich habe dort mit der Musik begonnen und dort zwei Trompetenlehrer gehabt, von denen ich viel bekommen habe. Die Musik hat mich persönlich sehr verändert. Ich dachte, das wäre auch für andere Kinder gut. Die Jugendlichen suchen einen Platz in der Welt, wo sie sich wohlfühlen, und bei der Orientierung hilft die Musik sehr viel. Ich unterrichte schon seit vier Jahren. Ich bearbeite auch alte, traditionelle Musikstücke für die Kapelle der Musikschule. Es gibt viele alte Instrumente, die heute nicht mehr benutzt werden, wie die alten S-Trompeten oder As-Klarinetten. Ich schreibe die Noten ein bißchen um und arrangiere das Stück für die heutige Blaskapelle.

NZ: Welche Bedeutung hat für Sie die traditionelle ungarndeutsche Blasmusik?

A. F.: Es ist für mich einfach sehr wichtig, daß die schwäbischen Traditionen weiterbestehen können und ich etwas für Wetschesch tue, damit die alte Musik und die alten Sachen weiterleben können. Ich habe auch viele alte Noten gesammelt.

NZ: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

A. F.: Ich möchte mit dem Brassissimo und auch in der Musikschule weiterarbeiten, das Hobby auch weitermachen, also die Brunner-Kapelle und den Blasmusikverein. Dies alles bildet eine Einheit für mich, ist einfach so rund. Das mache ich sehr gerne, und ich möchte auch solange weitermachen, wie ich nur kann. Ein wenig möchte ich vielleicht noch in Richtung Jazz gehen...

Monika Ambach